Lernen lernen

Auch das Lernen will gelernt sein – 10 Tipps für das neue Schuljahr

„Überfüttert die Schüler nicht mit Fischen, sondern lehrt sie das Angeln.“ (Gregory Bateson)

Die richtigen Lern- und Arbeitsmethoden sind ein elementarer Stützfaktor für den Erfolg in der Schule. Das wissen wir längst aus diversen Studien und eigenen Beobachtungen. Aber was heißt das genau? Was hilft wirklich? Und was gehört ins Reich der Mythen? Gerade jetzt, wo für viele Kinder die Einschulung und für alle anderen ein neues Schuljahr vor der Tür steht, ist der Wunsch nach Tipps und Hilfen groß. Wir haben an dieser Stelle die wichtigsten neurobiologisch begründbaren Lerntipps für Sie zusammengefasst.

Lernstoffe in regelmäßigen Abständen wiederholen.

Gut behalten wird alles, was regelmäßig wiederholt wird. Hierdurch entstehen Langzeitspuren im Gehirn. Am „tiefsten“ werden diese Spuren durch viele Kurzübungen in regelmäßigen Abständen, zum Beispiel mit Hilfe von Karteikarten.

Strukturen und Verknüpfungen schaffen. Unser Gehirn ist kein DVD-Brenner. Wir speichern nicht passiv die eingehenden Informationen ab, sondern wir vergleichen, wir selektieren, wir abstrahieren, wir integrieren. Für solche Leistungen muss ein Lernstoff in ein Netz von vorhandenen Informationen fallen. Gut strukturierter Lernstoff (durch Beispielbildung, Regelbildung, Skizzen, Grafiken) wird leichter und länger behalten als unstrukturierter.

Unterschiedliche Kanäle nutzen: Sehen + Hören + Sprechen + Schreiben + Handeln. Ein Lernstoff wird im Gehirn umso besser verankert, je mehr Lernkanäle beim Lernen genutzt werden (Beispiel Mathe: Das Kind soll die Aufgabe rechnen, erklären, aufmalen, anhand von Rechenmaterial zeigen, Rechengeschichten erfinden).

Ähnliche Stoffgebiete mit entsprechendem Abstand lernen. Mathe und Physik, Französisch und Englisch. Lernt man inhaltlich Ähnliches direkt hintereinander, kommt unser Gehirn durcheinander. Es kommt zu wechselseitigen Störungen, sogenannten „Interferenzen“.

Günstige Lernbedingungen schaffen: Lernen wird durch einen festen Arbeitsplatz erleichtert, der möglichst ablenkungsfrei gestaltet ist. Genauso haben sich feste Lernzeiten, die im Terminkalender festgehalten werden, bewährt. Zusätzlich können Organisationshilfen, wie Hausaufgabenhefte oder Tages-, und Wochenlernpläne eingesetzt werden. Schwere und leichte Inhalte sollten sich auf den Lernplänen möglichst abwechseln. Nach getaner Arbeit sollte man sich unbedingt durch etwas Schönes belohnen.

Positive und stressfreie Lernerfahrungen schaffen. Im Zusammenhang mit positiven Erfahrungen können Signale im Gehirn besser übertragen werden und es kommt zur Festigung der Langzeitspuren. Daher ist es wichtig, die Lernsituation möglichst positiv zu gestalten. So sollte das Kind zum Beispiel viel gelobt, anerkannt und ermutigt werden. Zusätzlich sollten die Lerninhalte positiv verpackt werden. Gleichzeitig sollte Stress und Druck vermieden werden, denn hierdurch wird Lernen - insbesondere die Verknüpfung mit Bekanntem sowie die kreative Problemlösung - gehemmt.

Selbstwirksamkeitserfahrungen fördern: Das Erleben, eine schwierige Aufgabe eigenständig bewältigt zu haben, ist für Kinder enorm belohnend. Besonders motivierend sind daher herausfordernde aber machbare Aufgaben. Eltern können hilfreiche Strukturen schaffen, sollten aber gleichzeitig in die Kompetenzen ihrer Kinder vertrauen.

Selbstbestimmtes Lernen fördern. Kinder arbeiten besonders motiviert, wenn sie möglichst autonom lernen, zum Beispiel dadurch, dass sie zwischen Aufgaben wählen dürfen oder die Reihenfolge selbst bestimmen können. Darüber hinaus ist es hilfreich, wenn Kinder dazu ermutigt werden, sich eigene (möglichst konkrete und realistische) Lernziele zu setzen. Bei älteren Kindern ist auch der Einsatz von Lerntagebüchern möglich.

Schubweises Lernen vor Klassenarbeiten schadet dem Lernerfolg. Die Gefahr von wechselseitigen Störungen ist bei massiertem Lernen (also viel auf einmal) besonders hoch. Hilfreich hingegen ist es langfristig und vorausschauend sowie in kurzen Lerneinheiten zu lernen.

Zuletzt noch ein wichtiger Hinweis: Neben allen praktischen Tipps ist es besonders wichtig, zu beobachten wie Ihr Kind lernt und was es braucht. Suchen Sie den regen Austausch mit den Fachlehrern Ihres Kindes. Sie kennen das Lernverhalten und eventuelle Baustellen besonders gut und haben sicher wertvolle Tipps für Sie. Bei weiterführenden Fragen rund ums Thema Hausaufgaben und Lernen können Sie sich außerdem an die Schulpsychologische Beratungsstelle, z.B. in Bochum wenden. Hier werden Sie gerne beraten - wenn möglich in enger Zusammenarbeit mit der Schule - zur Lernförderung Ihres Kindes.

Lisa Schmidt (Diplom-Psychologin bei der Schulpsychologischen Beratungsstelle Bochum)

Literaturempfehlungen zum Thema Lernen Lernen:

Rammert, M. & Wild, E. (2008). Hausaufgaben ohne Stress - Informationen und Tipps für Eltern. Freiburg im Breisgau:Herder

Keller, G. (2008): Ich will nicht lernen – Motivationsförderung in Elternhaus und Schule. Bern: Verlag Hans Huber

Aust-Claus, E. & Hammer, P.M. (2004) Auch das Lernen kann man lernen. Ratingen: Oberste Brink

B. Schader (2001): Hausaufgaben und Klassenarbeiten. Ein Wegweiser zur erfolgreichen Bewältigung. Mannheim: Dudenverlag

aktualisiert am: 30.03.2017

 

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